"Choose" nennt sich das Projekt, das aus Eriks Diplomarbeit hervorging, und bei dem ich Kameramann war.
Der Name ist Programm: "Choose" ist ein interaktives Musikvideo, in dem man wählen kann, welche Version man denn gerne sehen möchte. Je nach Rechenart sind 18 bis 162 verschiedene Varianten möglich.
Während dem "Entscheidungsprozess" wird das Video nicht unterbrochen, sondern läuft weiter. Zusätzlich zu dem Haupt-Bild werden dann noch kleine Vorschaubilder im unteren Bereich eingeblendet, aus denen man per Klick wählen kann. Trifft man nicht rechtzeitig eine Entscheidung, wählt der Computer per Zufallsgenerator, damit der Fluss des Videos nicht gestört wird.
Das Team, mit dessen Hilfe der visuelle Teil von Choose entstand, war relativ klein und dadurch angenehm flexibel. Insgesamt sieben Menschen inklusive Schauspieler waren beteiligt, teilweise waren wir aber auch nur zu dritt. Drei Schauspieler, ein Regisseur, ein Kameramann und zwei Assistentinnen... mit teilweise überlappenden Rollen.
Wie schon bei dem Musikvideo für die Final Kings war fast das gesamte verfügbare Equipment des Studios unserer Hochschule im Einsatz. Eine Sony DSR-VX2000 samt Stativ, ein Kamerakran, vier 500-Watt-Scheinwerfer und ein Kontrollmonitor. Lediglich der reifenbasierte Dolly blieb in Furtwangen, da uns dieser im freien Gelände wenig gebracht hätte. Für die Außendrehs konnte uns das Studio leider nicht mit ausreichend starken Lampen versorgen. Also griffen wir wieder einmal auf unsere treuen Faltreflektoren zurück, die schon den Großteil von "Höhenflüge" ausgeleuchtet haben. Dadurch wurden wir zwar wetter-abhängig, da die Sonne unsere einzige Lichtquelle war, aber glücklicherweise war das Wetter - bis auf einige Ausnahmen - recht freundlich gestimmt.
Lichttechnisch erwies sich unsere "Minimalbesetzung" - bestehend aus mir als Kameramann, Erik als Regisseur und Florence als Schauspielerin - als etwas arg minimal. Ohne menschliche Hilfe wurde es recht knifflig, die Reflektoren auszurichten und stabil zu halten. Stative standen dafür leider nicht zur Verfügung, also haben wir sie an alle möglichen Gegenstände oder Wände angelehnt und ausbalanciert. Der kleinste Windzug hat dann die Lichtstimmung zerstört. Glücklicherweise war es jedoch nahezu windstill.
Auch der Nacht-Dreh auf einem Kaufhaus-Parkplatz war spannend. Auch hierfür hatten wir keine ausreichend starken Lampen, mussten wir mit Auto-Scheinwerfern und der vorhandenen Parkplatz-Beleuchtung auskommen. Letztere wäre allerdings gegen Mitternacht abgeschaltet worden - hätte nicht ein überaus freundlicher Wachdienst bei den Stadtwerken angerufen und sie davon überzeugt, das Licht die ganze Nacht über brennen zu lassen. Tausend Dank!
Ebenso lustig zu drehen war die Schluss-Szene. Florence sollte dazu durch eine Fensterscheibe in eine verregnete Nacht hinausblicken. Ihr Gesicht sollte sich in der Scheibe, an der der Regen herunterläuft, spiegeln. Das Problem: In der Fensterscheibe sah man hauptsächlich das hässliche weiße Balkongeländer und die Wand des Innenraums. Dank dem überdachtem Balkon regnete es natürlich auch nicht an die Scheibe.
Letztendlich schafften wir es mit irgendwelchen zusammengesuchten dunklen Tüchern alle Reflektionen abzudecken
und den Regen mit einer Wasserpistole zu simulieren. Da wir nur zu dritt waren, stand schließlich der Regisseur auf dem Balkon als Regenmacher und ich hielt ein riesiges Laken um die Reflektion der Wand abzudecken.
Um die Kamera zu bedienen war dann niemand mehr übrig, also filmte sie einsam vom Stativ vor sich hin.
"Choose" gibt es derzeit in drei Versionen: Den ursprünglichen interaktiven Prototyp, eine überarbeitete Version davon, sowie ein linearisiertes Musikvideo.
Am Besten ist die interaktive, überarbeitete Version. Sie basiert auf der visuellen Programmiersprache VVVV, die man zuvor herunterladen muss (ist aber ganz harmlos).
Wer nichts installieren will kann den ursprünglichen Prototyp versuchen. Er basiert auf Shockwave, was von vielen Browsern bereits unterstützt wird. Der Prototyp ist allerdings nicht für den Einsatz im Internet konzipiert, weswegen er nicht besonders stabil läuft. Die überarbeitete Version ist auf jeden Fall besser.
Als letzte Alternative gibt es eine nicht-interaktive Version als ganz normale Video-Datei. Diese ist nur 5MB groß und benötigt einen DivX-fähigen Player.
Alle Versionen gibt es auf Eriks Choose-Seite.