Identität im virtuellen Raum (Entwurfsfassung 5.8.2005)

Dieser Artikel ist ein Unterkapitel meiner Diplomarbeit. Obwohl er eigentlich für das in der Diplomarbeit entworfene Projekt geschrieben wurde, sollte er auch allgemeine Gültigkeit haben. Da die Diplomarbeit noch nicht abgeschlossen ist, sind Kommentare und Verbesserungvorschläge herzlich willkommen. Entweder per E-Mail oder in dem Blog-Eintrag zu diesem Artikel

Identität ist wichtig. Besonders wenn es um Kooperationen geht, ist es unerlässlich eine Vorstellung davon zu haben, mit wem man es zu tun hat. (vgl. Axelrod 1984) Schließlich basiert Kooperation auch auf Vertrauen, und ohne Identität ist vertrauen nicht möglich.

In virtuellen Gemeinschaften wird Identität durch vier Teile gebildet:

Dem Profil kommt in virtuellen Gemeinschaften eine besonders große Bedeutung zu. Es ist der direkteste Weg sich einen ersten Eindruck über jemand anderen zu verschaffen. Auf einer Seite sind übersichtlich die wichtigsten Informationen über den betreffenden Benutzer aufgelistet. Daher ist das Profil meistens die erste Anlaufstelle, wenn man einem unbekannten Mitglied begegnet.

Vom Mitglied selber angegebene Informationen

Wie bereits erwähnt kann man unterscheiden zwischen selber eingegebenen Informationen und automatisch erstellten. Bei den selbst eingegebenen Informationen sollte der Benutzer frei entscheiden können, ob er einzelne Informationen überhaupt angeben will. Während die erfragten Informationen natürlich einen Bezug zu der Gemeinschaft haben sollten, ist es auch sinnvoll ein paar allgemeine Angaben machen zu können, damit die Menschen auch ein Bild von sich außerhalb des Kontexts schaffen können.

Wichtig ist außerdem, deutlich anzugeben, was mit den eingegebenen Informationen passiert. Auch wenn man dies schon im Rahmen der allgemeinen Datenschutzhinweise bei der Registrierung des Benutzers getan hat, sollte man es an dieser Stelle noch mal extra warum die Daten gesammelt werden und was mit ihnen geschieht (vgl. Kim 2001, S.105 und 117).

Es gibt keine festen Regeln darüber, welche Informationen erfragt werden sollten. Ein Grundpaket könnte beispielsweise sein:

Wichtig ist dabei auch, dass diese Informationen aktuell sind. Veraltete Profile lassen die Gemeinschaft „verstaubt“ erscheinen. Als Anreiz für die Mitglieder, ihre Profile regelmäßig zu aktualisieren kann man beispielsweise auf einer Seite die zuletzt aktualisierten Profile auflisten. Dadurch winkt mit jeder Aktualisierung ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit von der Gemeinschaft. Zusätzlich können Erinnerungen an die Mitglieder geschickt werden, wenn sie ihr Profil über längere Zeit nicht mehr bearbeitet haben. (vgl. Kim 2001, S. 122)

All diese Informationen muss der Benutzer selber manuell eingeben. Doch es gibt auch Informationen, die das System über den Benutzer sammelt, und die das Profil ebenfalls sinnvoll erweitern können.

Automatisch erfasste Informationen

Digital Lifestyle Aggregation

Häufig sind auch an anderen Stellen im Internet Informationen über die Mitglieder gespeichert. Viele Menschen speichern beispielsweise Fotos auf Flickr, Lesezeichen bei einem Social-Bookmarking-Dienst oder führen ein Online-Tagebuch. Auch die Musik-Vorlieben werden bei Diensten wie beispielsweise Audioscrobbler gespeichert.

Dank der zunehmenden Verbreitung und Implementierung von Content-Syndication-Technologien und Web-Services ermöglichen diese Dienste auch anderen Plattformen, die Daten über die Mitglieder zu nutzen. Zum Beispiel stellt Flickr Schnittstellen zur Verfügung um die dort gespeicherten Fotos eines Mitglieds auch auf anderen Webseiten anzuzeigen. Social-Bookmarking-Dienste bieten die dort gespeicherten Lesezeichen in einem leicht zu verarbeitenden XML-Format an und auch die meisten Online-Tagebücher veröffentlichen die Einträge in solchen so genannten Feeds.

Diese Technik machen sich zunehmend auch Gemeinschaften zunutze. Sie ermöglicht es, dass die Mitglieder all diese Daten ohne nennenswerten Aufwand in das eigene Profil übernehmen können. Dank des „neutralen“ Datenformats fügen sich die so integrierten Inhalte nahtlos in das Erscheinungsbild der Plattform ein.

Dieses Vorgehen wird häufig Social Lifestyle Aggregation genannt, da man die verschiedenen Facetten des eigenen digitalen Lebensstil an einem Punkt zusammenführt. Andere Benutzer bekommen so über die Profil-Seite einen Einblick in das Online-Leben des jeweiligen Benutzers.

Literatur

Axelrod, Robert (1987): Die Evolution der Kooperation. München: Oldenbourg

Kim, Amy Jo (2001): Community Building: Strategien für den Aufbau erfolgreicher Web-Communities. Bonn: Galileo Press

Hammond, Tony / Hannay, Timo / Lund, Ben / Scott, Joanna (2005): Social Bookmarking Tools (I). A General Review. Online-Publikation: http://www.dlib.org/dlib/april05/hammond/04hammond.html

Hammersley, Ben (2005): Content Syndication with RSS and Atom. Beijing [u.a.]: O'Reilly & Associates

Kuschke, Michael / Wölfel, Ludger (2002): Web Services kompakt. Heidelberg [u.a.]: Spektrum, Akad. Verl.

© 2005 Florian Sander