30. Mai 2008

Wasserzeichen sorgt für schlechten Ton bei Indiana Jones

Kopierschutz-Mechanismen gehen praktisch immer zu lasten des Konsumenten und schrecken Schwarzkopierer nicht wirklich ab. Aktuelles Beispiel: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels.

Offenbar sind viele (alle?) Kinokopien des neuen Indy-Films mit einem Wasserzeichen auf der Tonspur versehen, wie es u.a. in einem Fimvorführerforum zu lesen ist. Viele Kino-Tonsysteme kommen damit nicht so wirklich klar und es kommt zu Ton-Aussetzern.

Hier ist ein Foto eines dieserart manipulierten Indy-Filmstreifens:

image

Am oberen Rand, direkt über den Bildern und unter den Perforationslöchern sieht man die analoge Tonspur des Films. Bei den meisten aktuellen Filmen wird diese Spur nur zur Ausfallsicherheit genutzt. Falls der digitalton versagt, wird schnell zur analogen Tonspur gewechselt. Auf dieser Kopie sind nun zwei dick-blaue Streifen auf der Tonspur, die entweder zu Stille oder einem Störgeräusch an der Stelle führen würden. Bei Indiana Jones scheint an diesen Stellen auch der digitale Ton auszusetzen, wodurch die Markierungen auf dem Analogton in der Vorführung hörbar werden.

Spekulationen zufolge kann durch den Abstand der Störungen die einzelne Kino-Kopie identifiziert werden und damit (theoretisch) auch in welchem Kino eine Schwarzkopie angefertigt wurde.

Die Filmvorführer sind natürlich wenig glücklich darüber, da die Besucher ihnen die Schuld für den schlechten Ton geben.

Blaine Young berichtet von folgender Stellungsnahme von Paramount Pictures (übersetzt von mir):

Es gibt 3 Stellen in der fünften Rolle von Indiana Jones, an denen der Ton von Digital zu Analog wechselt. Diese Stellen sind Teil eines Sicherheitssystems, das in alle Kopien von Indiana Jones eingebettet ist. Falls Sie Probleme mit der Lautstärke zwischen digital und analog haben, müssen sie die Lautstärken zwischen Digital und Analog anpassen und dies wird die Situation korrigieren. Die Stellen sollten nur einige Sekunden in der fünften Rolle anhalten.

Oookay… das klassische Muster. Erst bewusst einen technischen Defekt einbauen und dann dem Kunden die Schuld dafür zuschieben, dass es zu Problemen führt. Ganz großes Kino.

Lyle Romer merkt dazu recht passend an, dass die alternative Tonspur nie gleich klingen wird. Denn sonst hätte man sich das Geld für das teure digitale System ja sparen können.

Noch dazu kann ein Schwarzkopierer ein so offensichtliches Wasserzeichen mit Leichtigkeit unschädlich machen. Beispielsweise kann man den Ton einer anderen Kopie in die Löcher schneiden.

Wiedereinmal trifft eine Kopierschutzmaßnahme also hauptsächlich die ehrlichen Kunden. Um einen schön zweideutigen Kommentar zu zitieren:

Lucas hat bereits das Patentrezept um Leute davon abzuhalten, dass sie seine Filme kopieren -  sicherstellen, dass sie schlecht sind.

Quelle

Diskussion "Audio CAP on Indy" in einem Filmvorführerforum.

(via Fefe und Boing Boing)

Mehr über: KinoKopierschutzTonWasserzeichen

22 Comments

  1. Das ist echt übel. Das umgehen soll wohl nicht ganz so leicht sein (zusammenkopieren des Tons) aber eigentlich auch egat. Wenn ich für einen Film mit digitalem Ton zahle (wird ja auch damit geworben) und der vorsätzlich Fehler eingebaut hat müsste ich mein Geld zurück bekommen.

    Kapitalismus saugt mal sowas von…

    Comment by GPSchnyder — 30. Mai 2008 @ 23:09

  2. Mit Kapitalismus hat das in etwa so viel zu tun wie mit Kartoffelsuppe. Unfassbare Dämlichkeit, wie in diesem Fall (sofern das wirklich ein „Kopierschutz“ sein soll), ist hingegen systemunabhängig.

    Ich werde nun von meinem kapitalistischen Grundrecht auf Konzernabstrafung durch Konsumverweigerung Gebrauch machen und diesen Film boykottieren, bis eine akzeptabel bepreiste, kopierschutzfreie DVD-Version vorliegt. Wer wissentlich Geld für Kinobesuche bezahlt, bei denen er als KS-Versuchskaninchen hergenommen wird, der unterstützt solchen Unsinn.

    Comment by Beppo — 31. Mai 2008 @ 1:30

  3. […] nervig für die zahlende Kundschaft, stört es doch erheblich den Filmgenuss – Es lohnt halt immer weniger für das Kino zu […]

    Pingback by Nervige Aussetzer im Ton… « Rabby’s Weblog — 31. Mai 2008 @ 14:31

  4. Zitat: „Mit Kapitalismus hat das in etwa so viel zu tun wie mit Kartoffelsuppe.“

    Klar. Wenn es denen nicht darum gehen würde mehr Kapital an zu häufen hätten die sich bestimmt so einen Scheiß einfallen lassen.

    Der Kapitalist erhält eine Rendite für den Einsatz seines Kapitals und strebt häufig nach der Maximierung seiner Rendite.

    Wenn das nicht der Grund für diesen Kopierschutz ist, was bitte dann?

    Comment by GPSchnyder — 31. Mai 2008 @ 16:10

  5. […] Quelle: http://www.kreativrauschen.de/ […]

    Pingback by Wasserzeichen sorgt für Tonaussetzer bei Indiana Jones | Florian Fittschen - Florian's Blog — 31. Mai 2008 @ 19:12

  6. Wie war das gleich im aktuellen Werbespot der Kinobetreiber …

    Comment by Schattenlos — 31. Mai 2008 @ 19:21

  7. Sind die Menschen doch selber Schuld, wenn so viele Leute Filme kopieren müssen die Macher eben etwas dagegen tun. Das geht dann zwar zu Lasten des ehrlichen Zahlers, aber wenn es sonst nicht geht…

    Comment by Domenic — 31. Mai 2008 @ 22:18

  8. Quatsch. Hat die Industrie schon immer mit leben müssen/können. Selber schuld wenn die sich nicht an aktuelle Technik anpassen…

    Comment by GPSchnyder — 31. Mai 2008 @ 22:25

  9. @ GPSchnyder

    Bekanntlich steht hinter der Produktion des Films bereits eine Gewinnerzielungsabsicht. Dieser „Kopierschutz“ ist allenfalls eine Fortführung derselben. Daher: Ohne Gewinnerzielungsabsicht erst gar kein Indiana Jones Kristallschädel-Film.

    Zugegeben: Wird ein Film nicht gedreht, kann man ihm auch keinen Kopierschutz verpassen ;-)

    Comment by Beppo — 1. Juni 2008 @ 0:18

  10. @GPSchnyder :
    So ein Nonsens ! ein Kopierschutz hat noch nie dazu geführt das sich ein Produkt besser verkauft. Einzig allein die Qualität ist entscheidend.
    Mal davon das ein Indy Streifen quasi GARANT dafür ist, das die Kinokasse klingelt, sollte man sich mal vor Augen halten mit welchen methoden hier vorgegangen wird.
    Wenn ein Film gut ist, dann wird er auch geschaut, sowohl im Kino als auch die DVD gekauft wird.
    Der kelien Kaffeesatz der armeseligen CAM rip gucker würd eh nicht ins Kino gehen, oder sich die DVD kaufen von daher kann man diese paar Leute getrost vernachlässigen.
    Wer Qualität mag und ich selber schätze das Kino sehr ( ich kenenn auch keinen der ne 12 meter + Leinwand zu hause hätte) und gehe vor allem wegen der Qualität hin … MEGA bild und Topnotch sound … das ist KINO und dafür geb ich gerne Geld aus.
    Und wenn Lucas dann hingeht und seine eigenen Kunden an vorderster Front verarscht mit sowas unnötig !!! Albernen kann ich nur traurig den Kopf schütteln und sage mir „well Jungs das habt ihr ordentlich vermasselt, wart ich eben auf den DVD Rip von aXXo – da hab ich meine Quali.
    Und dabei geh ich sooo genr ins Kino … das ärgert mich wirklich wenn ich dann wieder SO einen Mist erleben muß. Und NEIN, ich gebe nicht den Abfilmern die Schuld… ich hab sogar Mitleid mit den armen Würstchen, die sich Cam Rips angucken… und ejder de rmal 2- 3 solcher rips gesehen hat weiß wovon ich spreche.
    Kino is eben immernoch Kino, da kommt auch so schnell nix dran, und letzendlich wollen wir ja alle unser sauer verdientes Geld auch ausgeben, das is nunmal so, man konsumiert nunmal gerne,
    Aber eben bitte zu fairen Konditionen, weil verarschen kann ich mich auch selber.

    LG
    Mike

    Comment by MikeRakhabit — 1. Juni 2008 @ 1:32

  11. Zitat: „So ein Nonsens ! ein Kopierschutz hat noch nie dazu geführt das sich ein Produkt besser verkauft. Einzig allein die Qualität ist entscheidend.“

    Öhh, Ich hab nie was anderes behauptet. Meine Aussage war die, das der Kopierschutz angebracht wird weil die MEINEN das die dann mehr Besucher bekommen, bzw. keine schlechten abgefilmten Videos online. Und das alles nur weil die Ärsche geil darauf sind noch mehr Kohle zu machen als sie mit Indy sowieso würden.

    Ich geh auch regelmässig ins Kino. Zum einen wegen der Qualität, zum anderen wegen der Atmosphäre. Die kann kein Cam, kein Rip mit bringen.

    Weiß auch garnicht wie man auf Grund meiner Kommentare hier darauf kommen kann das ich was Pro-Kopierschutz gesagt habe. Ich bin da aber mal sowas von gegen. Ein Grund warum meine Filme wohl nicht im Kino laufen werden oder auf DVD raus kommen. Ich will nämlich nicht das mein Film durch Wasserzeichen, Kopierschutz oder Texte die Zuschauer erst mal, noch bevor sie den Film sehen , zu Kriminellen abstempeln verhunzt werden. Ich meine, jetzt mal ehrlich. Ich habe noch keinen Film im Internet gesehen der diese Polemik der Filmwirtschaft mit online stellt. Es ist also nur der eine mit der Cam und die ganzen anderen die bezahlt haben die runter gemacht werden. Bzw der Ripper, der das sowieso raus schneidet um bessere Qualität zu bekommen und die Käufer/Mieter der DVD die dafür bezahlt haben.

    Und das alles nur weil die NOCH MEHR Geld haben wollen als sie sowieso schon bekommen. Auch wenn das nichts nützt ist das genau der Grund.

    Comment by GPSchnyder — 1. Juni 2008 @ 9:05

  12. Hat jemand ne Quelle die besagt, dass das bei ner deutschen Kopie aufgetreten ist? Ich habe mir bei meinen letzten beiden Vorführungen den Film komplett angeschaut, um diese Stellen zu finden – aber nichts auffälliges bemerkt. Als Vorführer ist man normalerweise sehr empfindlich für Tonaussetzer. Wechsel zwischen Digital und Analog hätte ich ebenfalls bemerkt, da sich die Pegel zwischen den Spuren bei uns (wie in vielen anderen Kinos wohl auch) unterscheiden.

    Comment by Cybso — 3. Juni 2008 @ 16:20

  13. Habe mir Indy 4 (bzw. 5 wenn Fate of Atlantis mitzählt) übrigens genau deshalb nicht angesehen. Ich zahl doch nicht für schlechte Qualität! Bin mal gespannt ob die DVD das auch haben wird und wenn ja, war es meine letzte.

    Comment by Erwin — 3. Juni 2008 @ 22:33

  14. @Beppo

    Gewinnerzielungsabsicht schön ung gut, nur gehört die immer in einen Kontext wie die Realisierung dieser. Sony hat es mit seinem Trojaner vorgemacht, daß Kundenverhalten und -akzeptanz zu berücksichtigen sind.

    Für mich bedeutet es ganz klar: Ich werde mir Indy4 *nicht* im Kino angucken. Mit der Art der Gewinnerzielungsabsicht, oder besser formuliert Gewinnmaximierung, schneidet man sich in das eigene Fleisch und die ehmaligen Kunden *werden* Alternativen suchen und finden.

    Comment by Erwin — 3. Juni 2008 @ 22:40

  15. @Cybso: Aus Deutschland kenne ich bisher nur Berichte wie von Fefe, also nichts was mit Sicherheit auf solche Audio-CAPs zurückzuführen wäre.

    Aber kannst Du als Vorführer nicht einfach mal einen Blick auf die fünfte Rolle von Indiana Jones werfen? Ich vermute (weiß es aber nicht), dass der Code immer an ungefähr der gleichen Stelle ist, die auch oben auf dem Bild zu sehen ist.

    *grübel* Wobei es natürlich auch gut sein kann, dass das Kopierwerk das für die deutsche Tonspur woanders (oder eben garnicht) platziert hat…

    Comment by Flo — 4. Juni 2008 @ 7:51

  16. @Flo: Wenn mir jemand sagt, wo ich suchen müsste, dann könnte ich das tun. Aber ich hab keine Lust, mir auf knapp 3500m Film (oder 500m, wenn es nur den fünften Akt betrifft) die Tonspur anzuschauen :-)

    Comment by Cybso — 4. Juni 2008 @ 12:06

  17. In meinem Cineplex gab es keine Aussetzer, mir fiel aber auf, das einmal ganz kurz, wenige Frames lang, am unteren Bildrand über die volle Breite eine Art Wasserzeichen ging. Mehr als einen weißen Streifen konnte man auf die schnelle nicht erkennen.

    Comment by Henry — 14. Juni 2008 @ 2:36

  18. […] CCTV jetzt sogar ins Kinos, typisch England. Aber sowas steht uns hier auch bevor, 100%ig. Warum soll man eigentlich noch ins Kino gehen, wenn man da nicht nur bespitzelt wird, sondern auch nur übelst geschnittenes Material zu sehen bekommt, dazu noch mit absichtlichen Tonaussetzern. […]

    Pingback by England: Videoüberwachung auch in Kinos at NetReaper - Adrenalinrausch — 31. Juli 2008 @ 10:00

  19. Hallo,
    eigentlich schon eine Frechheit, dass dank der ganzen Raubkopierer der zahlende Kunde leiden muss. Statt sich ständig auf die illegalen zu stürzen sollten sich die Gewinnmachenden Firmen lieber Sorgen um die Qualität machen die sie ihren Kunden vorwerfen.
    Grüße
    Kurt von
    European Patent Attorney

    Comment by Kurt — 14. Dezember 2009 @ 11:21

  20. „der zahlende Kunde leiden muss“
    Das ist doch schon ewig bei DVDs so. Ich hab noch keine Kopie gesehen, bei der man sich ewig lang bescheuerte FBI Warnings anschauen musste, die nicht wegklickbar sind.

    Comment by Cornelius — 16. Dezember 2009 @ 11:34

  21. Oh ja, diese FBI-Warnings (schon zu VHS-Zeiten!) empfinde ich immer als Beleidigung. Stehlen meine Zeit und unterstellen mir unlauteres Verhalten. Die lassen einen immer ein wenig bereuen, dass man dafür Geld ausgegeben hat. Zumal Schwarzkopierer sich den Müll nicht antun müssen.

    Comment by Flo — 16. Dezember 2009 @ 13:45

  22. “der zahlende Kunde leiden muss” das kann man voll und ganz unterstreichen, doch leider wird es immer so bleiben, das die Ehrlichen Leute die Suppe auslöffeln müssen.

    Comment by Sven — 9. September 2010 @ 14:18

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