9. Oktober 2007

Videoüberwachung in Berliner U-Bahnen bringt fast nix

Nachdem bekannt wurde, dass die zahlreichen Überwachungskameras in London nichts bringen, legt nun Berlin nach:

» Videoüberwachung in den U-Bahnen bringt keinen Sicherheitsgewinn

2006 wurde in Berlin in mehreren U-Bahn-Linien ein Pilotprojekt zur Videoüberwachung gestartet. In drei Linien wurden Kameras installiert, unter der Auflage auch eine Evaluation des Projektes durchzuführen. Das ernüchternde Zwischenergebnis der Evaluation:

“Eine Veränderung der Kriminalitätsrate zeichnet sich aufgrund der Einführung der Videoaufzeichnung bisher nicht ab.” Mit dem Einsatz der Kameras sei “keine erhebliche Veränderung der Sicherheitslage in der Berliner U-Bahn zu erwarten”. (S. 6)

Interessanterweise will die Berliner Verkehrsgesellschaft diese Erkenntnisse nicht akzeptieren. Sie haben stattdessen den Evaluationsauftrag gekündigt und wollen nach Ablauf der Pilotphase, die Videoüberwachung auf alle 170 U-Bahnhöfe ausweiten.

Der BVG-Vorstandsvorsitzende Thomas Necker begründete diesen Schritt in einem internen Schreiben damit, “dass eine Verbesserung der objektiven Sicherheit für unsere Fahrgäste bei derzeit festzustellenden steigenden Kriminalitätszahlen im Bereich des ÖPNV in Berlin mit dieser Art der Evaluation nicht nachgewiesen werden kann.”

Wie gut, dass mit Überwachungsprojekten so verantwortungsvoll umgegangen wird…

(via Fefe)

Mehr über: ÜberwachungBerlinPolitikStudie

5 Kommentare »

  1. Ich glaube schon, dass es was bringt. Sicherlich nurpräventiv aber es bringt was.

    Kommentar von SEOnaut — 10. Oktober 2007 @ 20:26

  2. Stellt sich die Frage was sie mit diesen Kameras erreichen wollen. Sollen diese nur zur Abschreckung dienen oder wollen sie tatsächlich Leute mit Hilfe der Kamera zur Rechenschaft ziehen. Wobei ich Letzteres bezweifle, da sich wohl kaum jemand die Mühe machen wird von einen Taschendieb ein Phantombild zuerstellen und dann nach ihm fahnden. Aber wenigstens können sie dann bei den von Herrn Schäuble vorhergesagten Terrorangriffen sehen was passiert ist…

    Kommentar von Markus Lenk — 12. Oktober 2007 @ 12:08

  3. @SEONaut: Laut der Statistik bringt es in London und Berliner U-Bahnen auch präventiv nichts – die Straftaten sind nicht weniger geworden.

    @Markus: Der Artikel sagte auch, dass der Aufwand der Video-Auswertung ziemlich hoch sei.

    Eine umfassendere Auswertung von Videodaten zur Aufklärung von Straftaten wäre angesichts des enormen Personalaufwands kaum effektiv: Für die Bearbeitung der 261 Anfragen wurden 330 Arbeitsstunden benötigt, um das Videomaterial auszuwerten. Wenn ab 1.1. 2008 auf allen U-Bahnhöfen Videodaten aufgezeichnet und zugleich die Aufklärungsquote erhöht werden sollte, stiege der Technik- und Personalbedarf enorm an.

    Kommentar von Flo — 12. Oktober 2007 @ 12:15

  4. das ganze ist wohl weniger als abschreckung an die täter gerichtet, als vielmehr an das subjektive sicherheitsempfinden der reisenden,
    ein guter ruf ist alles!

    Kommentar von LeoLeo — 17. Oktober 2007 @ 1:52

  5. Hi,mich würde interessieren, wie das jetzt rund zwei Jahre später ausschaut. Gibt es neue Zahlen? Ich habe leider nichts ad hoc gefunden.LG

    Kommentar von Peter — 28. Dezember 2009 @ 8:35

TrackBack URI

Einen Kommentar hinterlassen

Ich behalte mir vor, URLs zu löschen, wenn sie für Werbung halte.

Generell besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung. Aber keine Sorge, kritische Meinungen werden nicht zensiert. Beleidigungen und Verbotenes werden allerdings gelöscht, falls sie mir auffallen.

Powered by WordPress

Abonnieren

blogoscoop