5. Juni 2008

Vorratsdatenspeicherung ändert Verhalten von Menschen

Eine neue Studie zeigt, dass die Vorratsdatenspeicherung Menschen soweit beeinflusst, dass sie ihr Verhalten ändern. 11% haben bereits auf einzelne Telefonate/E-Mails verzichtet und 52% würden diese Kommunikationsmittel nicht mehr für vertrauliche Gespräche nutzen – sehr zur Sorge von Drogenberatungsstellen, Journalisten und Telefonseelsorgern.

Das Problem mit Überwachung ist nicht nur, dass irgendein gelangweilter Beamter etwas peinliches erfahren könnte (obwohl das natürlich auch ein Problem ist). Das fundamentale Problem ist, dass Überwachung Menschen verändert. Überwachte Menschen verhalten sich anders als nicht überwachte Menschen.

Dieses fundamentale Problem wurde jetzt leider mit einer Umfrage bestätigt. Seit Anfang des Jahres ist in Deutschland die sogenannte Vorratsdatenspeicherung in Kraft. Telefon- und Internetanbieter sind verpflichtet, 6 Monate lang zu speichern, wer mit wem in Kontakt stand.

Eine Umfrage des Forsa Instituts hat jetzt die gesellschaftlichen Folgen dieser Massenüberwachung gezeigt: Die Kommunikationsgewohnheiten haben sich tatsächlich verändert. Am 27. und 28. Mai wurden 1002 Personen dazu befragt. Dies sind die Ergebnisse:

  • 73% wissen von der Vorratsdatenspeicherung
  • 11% haben deshalb bereits auf Telefonate oder E-Mails verzichtet
  • 6% glauben seitdem seltener kontaktiert zu werden
  • 52% werden keine Telekommunikationsmittel nutzen um Kontakt zu einer Eheberatungsstelle, eines Psychotherapeuten oder einer Drogenberatungsstelle aufzunehmen

Und das traurige: 48% denken noch immer, dass die Vorratsdatenspeicherung eine Notwendige Maßnahme zur Verbrechensbekämpfung ist.

„Die abschreckende Wirkung dieses Gesetzes ist lebensgefährlich, wo etwa telefonische Hilferufe bei Psychotherapeuten oder Drogenberatungsstellen unterbleiben“, kritisiert Patrick Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.

„Vor dem Hintergrund des aktuellen Telekom-Skandals ist deutlich, wie schnell Telekommunikationsdaten missbraucht werden können, um Journalisten auszuspähen und dadurch deren Informanten zu enttarnen. Das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung erschwert […] die vertrauliche Kommunikation von Informanten zu Journalisten, unterhöhlt somit den Informantenschutz und gefährdet damit die Pressefreiheit in Deutschland“, meint Thomas Dreesen, Vorstand des DFJV.

Die Studie wurde vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, dem eco Verband, dem deutschen Fachjournalisten-Verband und der JonDos GmbH in Auftrag gegeben.

(via Fefe und Golem.de)

(Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch)

2 Comments

  1. Dieses Blog ist wirklich sehr informativ. Vielen Dank

    Comment by Google Adsense — 7. Juni 2008 @ 19:06

  2. Allein wenn ich das Wort „Vorratsdatenspeicherung“ höre, kommt mir schon das k******.
    Dass es sich nun sogar auf das soziale Leben auswirkt – Wahnsinn!

    Grüße

    Comment by Michael Web — 10. Juni 2008 @ 15:11

Die Kommentarfunktion ist zur Zeit leider deaktiviert.

Powered by WordPress

Abonnieren

blogoscoop