20. April 2006

Procrastination – Zwanghafte Verzögerungstaktiken und wie man sie überwindet


Im Englischen bezeichnet “Procrastination” die berühmtberüchtigte Verzögerungstaktik, die viele von uns so gerne anwenden. Wir verschieben lästige Aufgaben immer wieder, bis wir schließlich keine andere Wahl mehr haben, als sie in der letzten Minute zu erledigen.

Häufig haben wir einfallsreiche Gründe um die Arbeit hinauszuschieben. Wir lenken uns ab, oder ziehen andere Aufgaben vor. Selbst Aufräumen wird da zur attraktiven Beschäftigung. Unter dem Druck der letzten Minute sind wir dann überraschend effektiv. Der Preis dafür ist jedoch hoch: Solange wir noch verzögern, plagt uns die Gewissheit, dass wir eigentlich etwas tun müssten. Wenn der Druck dann so groß wird, dass wir keine Alternative mehr haben, als die Arbeit zu erledigen, dann ist unsere Freiheit dahin.

Die Ursachen des Verschleppens sind vielfältig. Manch einer vermeidet gerne schwierige oder zeitintensive Aufgaben. Auch Perfektionismus, zu wenig Selbstbewusstsein oder eine niedrige Frustrationsgrenze können Gründe sein. Vielleicht ist man auch einfach nur sauer auf denjenigen, dem man die Aufgabe zu verdanken hat.

Diesen Mechanismus zu überwinden, ist nicht wirklich leicht. Ein lesenswerter Artikel der California Polytechnic State University (“Procrastination“) nennt 4 Schritte zur “Heilung”:

  1. Bemerke, dass Du etwas unnötig verzögerst.
  2. Finde die wahren Gründe für die Verzögerung.
  3. Analysiere diese Gründe und überwinde sie. Sei hartnäckig.
  4. Beginne die Aufgabe.

Natürlich reicht dieses Wissen nicht, um die Verschleppung einfach abzuschalten. Meistens sitzt der Drang zur Verzögerung sehr tief, sodass es ein langer Prozess wird, sie zu überwinden. Als kleine Hilfestellung beschreibt der selbe Artikel auch noch einige generelle Tricks, die dabei helfen können:

  • Stelle Dir die Aufgaben leicht und einfach vor.
  • Erledige immer nur einen handlich kleinen Teil der Aufgabe.
  • Arbeite an einer Aufgabe nur für 5 Minuten und wechsele danach zu etwas anderem, falls Du willst. Wahrscheinlich bist Du dann bereits so in die Aufgabe vertieft, dass Du einfach weitermachst.
  • Verkünde öffentlich, dass Du etwas tun wirst. Dann drängen Dich die Erwartungen der Anderen dazu, es wirklich zu tun.
  • Nutze einen guten Freund als Vorbild. Wenn Du Probleme hast, Dich zu konzentrieren, dann arbeite in Anwesenheit von jemandem, der es kann.
  • Ändere Deine Umgebung: Wenn Du zuhause nicht arbeiten kannst, finde einen anderen Platz oder verändere Deinen Arbeitsplatz zuhause entsprechend.
  • Plane den nächsten Tag und setze Prioritäten
  • Erwarte Rückschläge. Die Verzögerungstaktik gewöhnt man sich nicht von heute auf morgen ab.

In diesem Sinne: Tu was und lenke Dich nicht länger mit surfen ab!

(via livehack.org)

2 Kommentare »

  1. Ein hilfreiches Buch zu dem Thema: Rückert / Schluss mit dem ewigen Aufschieben.

    Ein wenig mehr Mainstream, aber nichtsdestotrotz sehr unter-die-Arme-greifend: Küstenmacher, Seiwert / Simplify your life.

    Letzteres hat mich innerhalb eines halben Tages dazu bewogen, meine Bude auszumisten und mehr oder minder neu einzurichten. Hm, gut. Es war nicht wirklich notwendig. Aber trotzdem, macht Energien frei, wenn ich das mal so esoterisch verklingen lassen darf.
    Also: nicht lesen, wenn IKEA in der Nähe ist.

    Comment by vardaman — 3. April 2007 @ 12:19

  2. Ja,ja, die ewige Aufschieberritis lässt grüßen!
    Danke für diesen interessanten Beitrag.

    Da will ich mich doch gleich mal ins Zeug legen und allem eine neue Priorität geben.

    LG Frank

    Comment by Frank Vejvoda — 4. November 2013 @ 13:36

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