Filmkritik: Todeszug nach Yuma (3:10 to Yuma)

3:10 to Yuma

Dan Evans (Christian Bale, „The Prestige“, „Batman Begins“, …) betreibt mit seiner Frau und zwei jungen Söhnen eine kleine Farm in Arizona. Seit dem Bürgerkrieg hat er nurnoch ein Bein. Er ist hoch verschuldet und ein Kredithai hat gerade seine Scheune niedergebrannt. Seine Kinder sehen in ihm nurnoch einen Versager.

Ben Wade (Russell Crowe, „A Beautiful Mind“, „Gladiator“, …) ist der Anführer einer skrupellosen Räuberbande und im ganzen Land gesucht. Durch seine Raubzüge ist er reich und gefürchtet. Er scheint sein Leben auf der Flucht zu genießen.

Die Wege von Ben Wade und Dan Evans kreuzen sich schließlich in einem kleinen Städtchen – just in dem Moment, wo Ben Wade entdeckt und verhaftet wird. Für die immense Summe von 200 Dollar verpflichtet Dan sich, zusammen mit ein paar anderen Söldnern, den Gefangenen zum 3:10-Zug nach Yuma zu bringen – im weit entfernten Contention.

Rezension


Western sind ein selten gewordenes Genre im Kino. Als letztes kann ich mich nur an die Western-Komödie Bandidas (2006) erinnern, und die war eine Blamage. Trotz des erbärmlichen deutschen Titels kann sich Todeszug nach Yuma aber durchaus sehen lassen.

Schon recht bald merkt man, dass es in 3:10 to Yuma weniger um den abenteuerlichen Weg nach Contention geht, sondern um die so gegensätzlichen Charaktere Dan Evans und Ben Wade. Ich kenne nicht viele Western, aber ich vermute mal, dass wenige so dialoglastig sind.

Russle Crowe füllt die Rolle des Ben Wade perfekt aus. Selten sieht man einen so widersprüchlichen Bösewicht. Es gibt eigentlich keinen Zweifel daran, wie viel Unrecht Ben Wade verbreitet hat. Mehrfach sieht man ihn kaltblütig und teilweise begeistert Menschen töten. Trotzdem strahlt er durch sein Gentleman-artiges Auftreten eine nicht zu ignorierende Sympathie aus. Neben der Ausstrahlung von Russle Crowe drüfte dafür auch der Kontrast zu seiner Bande verantwortlich sein, die allesamt noch viel unmenschlicher sind – besonders der Sub-Anführer Charlie Prince (Ben Foster, „30 Days of Night“, „Alpha Dog“, …).

Besonders gern beschäftigt er sich mit Dan Evans, einem Widersacher der ihn offensichtlich fasziniert. Actionsequenzen dienen eigentlich nur als Brücken um den beiden wieder eine Gelegenheit zum Gespräch zu geben.

Fazit

3:10 to Yuma / Todeszug nach Yuma ist primär eine Charakterstudie und erst danach ein Western – und das macht den Film interessant und sehenswert.

Ein Western ist er trotzdem, wer also keine wilden Schießereien sehen will, sollte vorsichtig sein. :)

Übrigens

In einer Nebenrolle ist auch Alan Tudyk zu sehen, der in der genialen SciFi-Western-Serie Firefly Wash gespielt hat. :)

Todeszug nach Yuma ist ein Remake von 3:10 to Yuma aus 1957. Das Original hatte einen ähnlich bescheuerten deutschen Titel: Zähl bis drei und bete.

Informationen

Meine Wertung: 4/5 Sterne
IMDb-Wertung: 8.2/10
Regie: James Mangold
Drehbuch: Halsted Welles und Michael Brandt & Derek Haas nach einer Kurzgeschichte von Elmore Leonard
Kinostart: 13.12.2007
Trailer: apple.com
IMDb: 3:10 to Yuma (2007)

9 thoughts on “Filmkritik: Todeszug nach Yuma (3:10 to Yuma)
  1. Sehr schöne Rezension :-)
    Werde mir dne Film dann wohl ansehen müssen. Russell Crowe und Western passen ja sowieso gut zusammen.

    PS: Auch ein Browncoat, ja?!?

  2. Danke für das Kompliment. Ich selbst halte das für eine meiner schwächeren Rezensionen, da tut das sehr gut. :)

    „Browncoat“ musste ich erst nachschlagen. :) Ich glaube, ich würde mich bei keiner Serie als Fan bezeichnen. Ich habe keine Fanartikel und weiß nur relativ wenig über die Entstehungsgeschichte und beteiligte Personen.

    Trotzdem ist Firefly einfach eine der besten Serien, die ich kenne. :)

  3. kann mich da nur anschließen, nach lesen der Rezension hatte ich das Gefühl genug über den Film erfahren zu haben um zu wissen ob er was für mich sein könnte, das Urteil unbedingt ansehen.
    Vor allem habe ich aber nicht das Gefühl du versuchst einem den Film zu „verkaufen“, wie dies in vielen Kritiken aus anderen Quellen versucht wird. Sondern, und das schätze ich besonders, du beschreibst anschaulich was das besondere an einem Film ist und beschreibst über welche Funktionen der Film auf den Konsumenten „zumindest auf dich“ wirkt oder halt nicht wirkt.

    Mach weiter so, eine klasse Seite hast du.

  4. Auch Dir ein herzliches Dankeschön für die motivierenden Worte und die aufschlussreiche Rezension zur Rezension. :)

  5. ich finde auch das es eine sehr gelungene zusammenfassung von dem film ist.
    kurz, das wesentliche auf den punkt gebracht und keinerlei geschwafel.
    habe beim lesen appetiet bekommen und werden ihn mir sicher anschauen.

    weiterhin gut fand ich die verknüpfung zu dem Schauspieler „Wash“ in Firefly.

    Wer diese Serie kennt und mag sollte auf jedenfall einen Blick in Todeszug nach Yuma (3:10 to Yuma) wagen.

    Für mich ist Firefly das größte auf dem gebiet des Since-Fiction-Western. Schade das es nur eine einzige Staffel davon gibt. Die zweite blieb ja in den kinderschuhen stecken.

    hubble

  6. ich hab den Film gesehen, und kann ihn nur weiterempfehlen. Perfekt umgesetzt vor allem der Zwiespalt in dem sich der „Bösewicht“ befindet. Das Ende fand ich etwas tragisch, aber …….. (selber anshen)

  7. Western müssen dreckig sein. Die Bösen müssen schwarz gekleidet sein, und die besten Schießereien finden aus der Hüfte statt. Die wichtigsten Grundregeln hält der „Todeszug nach Yuma“ ein und kann damit überzeugen! Den Schauspielern glaubt man ihre Rolle. Allen voran die Hauptdarsteller, Mr.Batman Christian Bale und Gladiator Russell Crowe bilden ein zwischenmenschliches Pärchen, dass den Zuschauer mit jeder Minute mehr in seinen Bann zieht. Crowe ist dabei stets derjenige, der für den Nervenkitzel sorgt. Als gefesselter Gefangener ist er immer brandgefährlich und erledigt so manchen Mitstreiter auf dem Weg zum Zug. Trotzdem hat er einen ausgeprägten Sinn für Moral und Gerechtigkeit. Und so zittert der Zuschauer in jeder neuen Szene, in der Crowe wieder die Oberhand hat. Gepaart mit zünftigen Schießereien und kleinen Überraschungen wird dieser Western zu einem echten Highlight! Vom Sonnenaufgang bis zum Showdown nie langweilig. YEEEAAAAH – Der Western lebt wieder!

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