20. September 2009

Filmkritik: Durst / Thirst / Bakjwi

Durst: Originalposter

Inhalt

Um Gutes zu tun nimmt der katholische Priester Sang-hyun (Kang-ho Song – The Good, the Bad, the Weird) an einem medizinischen Experiment teil. Wissenschaftler sind auf der Suche nach einem Heilmittel für das gefährliche EV-Virus. Doch der Versuch verläuft nicht wie erwartet und alle Teilnehmer sterben. Nur Sang-hyun überlebt – nachdem ihn die Ärzte schon für tot glaubten.

Doch seit seiner wundersamen Heilung fühlt Sang-hyun sich anders. Seine Sinneswahrnehmung ist geschärft, er ist unheimlich stark, und Tageslicht verbrennt seine Haut. Zudem verursacht das EV-Virus hässliche Pocken an seinem Körper. Nur eines hält das Virus im Bann und heilt die Pocken: Menschliches Blut.

Ok-vin Kim und Ha-kyun Shin in Durst / Thirst

Eigentlich hat er sein neues Leben recht gut und verhältnismäßig unblutig im Griff. Bis er eine Affäre mit einer verheirateten Bekannten beginnt….

 

Rezension

Ok-vin Kim in “Durst”

Durst (Originaltitel: Bakjwi, Internationaler Titel: Thirst) zählt zu den extrem ruhigen Vampirfilmen. Was Regisseur Chan-wook Park (Old Boy, Joint Security Area) schon durch die erste Einstellung deutlich macht, denn diese ist die langsamste Aufblende, die ich bisher in einem Film gesehen habe. Nennenswerte Actionsequenzen gibt es nicht. Langeweile kommt jedoch nicht auf, denn der Film versteht es, durch interessante Charaktere und subtilen Humor zu überzeugen.

Neben dem Vampirhintergrund ist Durst vor allem ein Beziehungsdrama. Die Affäre zwischen Sang-hyun und Tae-ju (Ok-vin Kim) beginnt zwar relativ harmlos, entfaltet aber im Verlauf der Geschichte eine ungeheure zerstörerische Energie. Doch obwohl diese Handlung sehr ernst ist, gibt es genug Gelegenheiten zum Lachen. Die schwierige Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor ist in diesem Fall sehr gelungen, denn die humoristischen Elemente sind nicht so plump, dass sie die restliche Geschichte sabotieren würden – obwohl sie gelegentlich schon sehr an der Grenze zum albernen manövrieren. Sie fügen sich sehr nahtlos ein.
Kang-ho Song und Ok-vin Kim

Die Bildwelt ist dabei so schön umgesetzt, wie man es von koreanischen Filmen inzwischen gewohnt ist. Besonders sehenswert ist eine umgestaltete Wohnwelt nach der Vampirtransformation von einem normalen Heim zu einer rein weißen Wohnung, mit einem Schrank als Sarg-Ersatz, reinweißen Wänden und zahlreichen Neonröhren um eine Tagesumgebung zu simulieren.

Fazit

Durst / Thirst ist ein ungewöhnlich ruhiges Vampirdrama, das optisch sehr schön umgesetzt ist und vor allem durch die Charaktere und ihre Beziehungen glänzt. Und trotzdem lustig ist.

Weitere Meinungen zu Durst

„Wieder mal ein Meisterwerk. Ich verneige mich.“ (Wortvogel)

„Einzig und allein die Tatsache, das THIRST es schafft seine Geschichte trotz enormem Gewaltpegel ohne jede Spannung zu erzählen, fasziniert dann doch. In einem durch und durch mittelmäßigen Film, von einem der größten internationalen Regisseure unserer Zeit. Next.“ (lost in imagination)

„Für mich bisher einer der schlechteren Filme des Regisseurs. Dennoch ein wirklich außergewöhnlicher Film, den ich unbedingt noch ein zweites Mal sehen muss. Eine wunderschön gemachte rabenschwarte Komödie, mit einigen dramatischen Elementen und für mich leider auch einige unpassende Passagen.“ (Reflections)

„Mit Thirst ist Park Chan-wook ein sensibles und wunderschönes Vampirdrama gelungen, welches die Balance zwischen Drama und „Komödie“ gelungen hält. Mit wunderschöner Musik und beeindruckenden Bildern schaffte es Park Chan-wook wieder einmal ein Kunstwerk auf die Leihwand zu bannen und den Zuschauer mit einem „guten“ Gefühl aus dem Kino zu entlassen.“ (All Along The Watchtower)

„“Thirst“ ist eindeutig zu lang. […] Einer ruhigen, stimmungsvollen Inszenierung bin ich sicherlich nicht abgeneigt, aber irgendwann muss es dann auch mal zum Ende kommen. Insofern gibts für den Gesamteindruck einen klaren Punktabzug.“ (Frau Flinkwert)

Informationen

IMDb: Bakjwi (2009)

Weitere Filme auf dem Fantasy Filmfest 2009

3 Comments

  1. cool,
    gibt es dieses ev-virus wirklich ? ich glaube, so realitätsfern ist der film gar nicht. irgendwann wird es bestimmt viren geben, die die menschheit ausrotten können.

    Comment by luzia — 1. Oktober 2009 @ 13:47

  2. Ich kann leider nicht zustimmen. Nichts gegen ruhige Filme, aber THIRST war langweilig und so weltfremd gespielt, dass die Charaktere extrem unrealistisch und aufgesetzt wirkten.

    Ich sehe das leider ziemlich anders als hier besprochen:

    http://www.mann-im-schatten.de/fantasy-film-fest-langeweile-bei-thirst-und-orphan/

    Comment by Tobias — 6. Dezember 2009 @ 10:19

  3. Bin auf der Suche nach nem guten Film irgendwie hier im Blog gelandet und hab mir Thirst auf Grund der Rezension reingezogen.

    Danke für den Tipp, mir hats gefallen und langweilig wars auch nicht!

    Comment by Birger — 26. Juli 2010 @ 16:30

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